Lektion 2 – Namen und Gesichter merken

Sich an Namen erinnern zu können, ist einer der ersten und wichtigsten Punkte, die aufkommen, wenn ich mich mit Menschen über ihr Gedächtnis unterhalte. Und zum Glück ist es auch eines der am einfachsten zu behebenden Merkprobleme! Heute wollen wir uns damit befassen, wie man sich Namen leichter merken kann.

Verwende einen „Trigger“, um dir Namen zu merken.

Wir haben schon in der vorigen Lektion ein wenig über „Trigger“ gesprochen, sogenannte „Auslöser“. Mnemobilder sind Bilder, die uns helfen, uns an Dinge zu erinnern. Aber sie funktionieren nur, wenn wir uns an die Bilder erinnern können und dafür gibt es „Trigger“! Ein Trigger, auf Deutsch ein Auslöser, bewirkt, dass sich unser Gedächtnis an das erinnert, an das es sich erinnern soll. Ein Trigger ist ein Auslöser, bei einer Pistole zum Beispiel löst der Trigger den Schuss aus.

Ein Trigger ist ein Auslöser, bei einer Pistole zum Beispiel löst der Trigger den Schuss aus.

Hier noch etwas vereinfachter dargestellt:
Trigger (Auslöser) ⇨ Mnemobild ⇨ gewünschtes Ergebnis. Bei Namen und Gesichtern ist unser Trigger das Gesicht. Unser Ziel soll es sein, dass du dich beim Ansehen eines bestimmten Gesichtes sofort an den Namen erinnerst.

Bei Namen und Gesichtern ist unser Trigger das Gesicht. Unser Ziel soll es sein, dass du dich beim Ansehen eines bestimmten Gesichtes sofort an den Namen erinnerst.

Wie aber machen wir jemandes Gesicht zu einem Auslöser?
Das ist easy: Wenn du das Gesicht einer bestimmten Person ansiehst, welches Gesichtsmerkmal sticht dir sofort ins Auge? Das ist sehr wichtig und macht es gleichzeitig auch sehr einfach für uns. Stelle nur sicher, dass dir dieses Merkmal auch beim zweiten Mal hinsehen auffallen würde. Es muss etwas sein, das deine Aufmerksamkeit auf einzigartige und unvergessliche Weise auf sich zieht.

Das hier zum Beispiel ist Christoph:

Vielleicht ist es für dich etwas ganz anderes, aber was mir gleich ins Auge sticht, ist seine schmale Oberlippe. Das heißt, wenn ich ihm das nächste Mal ins Gesicht schaue, fällt mir sofort seine schmale Oberlippe auf. Wenn ich diese Lippe nun in einen Auslöser verwandle, kann ich mich beim nächsten Mal leicht an seinen Namen erinnern. Wie aber verbinde ich seine Lippe mit dem Namen “Christoph”? Hier kommt die betonte Silbe ins Spiel, der magische Mnemotechnik-Trick.

Den Trigger mit der betonten Silbe verknüpfen

Jedes Wort einer westlichen Sprache hat eine betonte Silbe. Das ist der Teil des Wortes, der mehr betont wird als der Rest.

Zum Beispiel, ist bei „Michael“ die betonte Silbe die erste Silbe, „Mich“. Bei „Elisabeth“ hingegen liegt der Schwerpunkt auf der zweiten Silbe „Lis“. (E-lis-a-beth) (Übrigens: Die meisten „Spitznamen“ werden aus der betonten Silbe eines Namens gebildet, nicht unbedingt aus der ersten Silbe!) Würde ich dir nur die Silben „Mich“ oder „Lis“ nennen, dann wirst du dich im Handumdrehen an den Rest des Namens erinnern können. Diesen Umstand werden wir ganz einfach zu unserem Vorteil nutzen! Für unseren Freund Christoph nehmen wir die betonte Silbe seines Namens und verwandeln sie in einen greifbaren Gegenstand, so wie wir das bereits in der vorherigen Lektion mit Zahlen gemacht haben. Merke: Namen sind nicht sehr einprägsam, aber greifbare Gegenstände sind es umso mehr.

Merke: Namen sind nicht sehr einprägsam, aber greifbare Gegenstände sind es umso mehr.

Beachte, dass die Betonung von „Christoph“ auf der ersten Silbe liegt, „Chris“. Das ist die betonte Silbe im Wort. Mit etwas Übung kannst du so ziemlich schnell anfangen, Namen in greifbare Gegenstände zu verwandeln.

Verbinde alles mit einer Mnemotechnik

Ein Gegenstand, der ähnlich wie „Chris“ klingt, ist zum Beispiel „Grissini“, eine italienische Brotstange. Jetzt, da wir ein auffallendes Merkmal aus Christophs Gesicht und einen greifbaren Gegenstand haben, der seinen Namen repräsentiert (“Grissini”), bleibt nur noch, sie miteinander zu verbinden. Jetzt verbinden wir das Merkmal aus Christophs Gesicht mit der Grissini Stange. Und das geht ganz einfach: Wir stellen uns vor, dass Christoph ein Grissini-Piercing trägt, eine riesige Grissini Stange ragt aus seiner Lippe. Jedes Mal, wenn du dir nun sein Gesicht ansiehst, bemerkst du also seine schmale Oberlippe und wirst an die Grissini Stange denken, die dort hängt. Und die Grissini Stange bringt dich auf seinen Namen: Christoph.

Backup Plan: freie Assoziation

Die betonte Silbe in ein Bild zu verwandeln, ist eine sehr hilfreiche Technik, für manche aber kann sie etwas verwirrend sein.

Lass dich davon nicht abschrecken. Du kannst auch ganz einfache Assoziationen verwenden. Zum Beispiel: Die betonte Silbe von Sophia ist “phi”, du könntest dir also eine Dampflock-Pfeife vorstellen, die das Geräusch “phi” herausbläst, um dir die betonte Silbe in Sophia zu merken. Alternativ könntest du dir ganz einfach ein Sofa vorstellen, ein Wort das in seiner Gesamtheit fast ihren ganzen Namen repräsentiert. (Sophia → Sofa) Oftmals kommen mir solche Bilder viel schneller in den Sinn als Bilder für betonte Silben. Wenn das  bei dir auch so ist, verwende sie einfach! Was dir zuerst in den Sinn kommt, hat Priorität. Du musst nicht extra Energie aufwenden, um um die Ecke zu denken, wenn du schon eine Assoziation hast, die gut funktioniert.

Assoziationen finden leicht gemacht

Sollte mir keine Assoziation einfallen, dann denke ich an Menschen mit demselben Namen, die ich bereits kenne. Zum Beispiel: Solltest du Probleme haben, ein Bild für “Ben” zu finden gibt es eine leichte Abhilfe. Sagen wir, dir fällt nichts dazu ein, dann denke einfach an einen Bekannten namens Ben den du schon kennst. Sagen wir, er hat sehr lockige Haare, dann verwende sie als ein Merkbild für den neuen Ben, den du gerade kennengelernt hast. Assoziiere sozusagen den alten Ben mit dem neuen Ben durch ein mentales Bild, das beide verbindet.

1, 2, 3, go: Alltagsanwendung!

Jetzt kannst du eigentlich schon beginnen, das Gelernte in deinem Alltag anzuwenden.
Denk dabei nur an die drei Schritte:

  1. Wähle ein auffallendes Merkmal im Gesicht der Person
  2. Verwandle die betonte Silbe des Namens in einen greifbaren Gegenstand oder verwende eine passende Assoziation
  3. Stell dir vor, dass dieses Objekt mit dem Merkmal im Gesicht der Person interagiert.

Ein paar Mnemobilder zu gebräuchlichen Namen

Im Folgenden nun eine Auswahl der beliebtesten deutschen Namen ab 2010 und ihre mnemotechnischen Verknüpfungen. Du siehst neben dem Namen jeweils ein Wort, das der betonten Silbe ähnlich ist und den Gegenstand, den ich als Verknüpfung für den Namen vorgeschlagen habe:

Bubennamen

Leon: „Leo“ – ein Leopard
Lukas: „Luk“ – Luke Skywalker von Star Wars
Ben: „Ben“ – Ein Penner
Finn: „Fin“- Finnland Flagge
Jonas: „Jon“ – Ein riesiger Fisch (Jonas Fisch aus der Bibel)
Paul: Papst Johannes Pauls Kopfbedeckung
Louis: „Lu“ – Trägt Kleidung von Louis Lane von Superman
Maximilian: „Max“ – das Merkmal in seinem Gesicht ganz groß (maximiert)
Felix: „Fe“ – eine Fee
Tim: „Tim“ – Ein Lichtschalter zum Dimmen des Lichts
Elias: „Lee“ – Bruce Lees schwarzer Gürtel
Noah: „No“ – eine „Durchgang verboten Schild“ „No!“
Philipp: „Fil“ – „viel“, unser Philipp hat viel gegessen, das hängt ihm bei deinem Gesichtsmerkmal heraus
Niklas: „Nik“: eine Packung Nic Nacs
Julian: „Ju“: trägt Hip-Hop-Outfit und sagt „jou!“
Moritz: „Mo“ – Moe von den Simpsons
Jan: „Jan“ – Kennst du einen Jan? Welches Merkmal hat er, das du verwenden könntest?
David: „Da“ – ein Finger da „da“ hinzeigt.
Fabian: „Fab“ – ein Kübel Farbe
Alexander : „Xander“ – Sand
Simon: „Si“ – eine weibliche Perücke „sie“

Mädchennamen

Mia: „Mi“– Miau, eine Katze
Hannah: „Han“ – ein Abfahrtshang voll Schnee
Lena: „Le(n)“ – Eine Armlehne
Leni: „Le(n)“ – Eine Armlehne mit einem Informationssymbol oben drauf. (für „i“)
Lea: „Le(a)“ – Prinzessin Leas Haarschnecken (aus Star Wars)
Leonie: „Le(o)“ – Ein Löwe (diesmal aber weiblich)
Emma: „Em“ – ein großes M (einzelne Buchstaben kann man gut visualisieren)
Anna: „An“ – Ein Lichtschalter
Lilli: Eine Lilie
Laura: „Lau“ – Lauwarmes Wasser
Marie: Ein Marienkäfer
Sarah: Ein Sari
Sophia: Ein Sofa mit einem großen eingeritzten Anarchie-A.
Sophie: Ein Sofa unter Strom (e)
Maja: Biene Maja
Amelie: Eine Hebamme
Louisa: Der Fluss Isar
Johanna: „Han“– Ein Hahn der jodelt mit Tirolerhut
Emilia: „Mil“ – Eine Miele Spülmaschine
Clara: „Cla(r)“ – eine klare Suppe

Gleich üben: Namen merken  – eine praktische Übung

Folgend siehst du einige Gesichter mit Namen, die wir zufällig ausgewählt haben. Um das ganze wirklich herausfordernd zu machen, habe ich 12 Personen ausgewählt. Solltest du dich nur an 6 davon erinnerst, dann ist das nach deinem ersten Versuch auch schon sehr beeindruckend! Gehe nach den 3 oben beschriebenen Schritten mit jeder einzelnen Person vor und überprüfe dich danach selbst.

Lukas
Rosanna
Eugen
Michaela
Nobert
Magdalena
Daniel
Martina
Matthias
Ella
Benedikt
Anita

Überprüfe dich selbst

Hier hast du noch einmal die Gesichter der Personen, die du dir gerade gemerkt hast, diesmal ohne Namen. Wie viele kannst du richtig nennen? Schreib sie dir auf ein Blatt Papier und scrolle am Ende ganz nach oben, um sie noch einmal mit den Bildern samt Namen zu vergleichen!

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Und? Wie viele Namen hast du dir gemerkt?

Bonus: Das Major System – Telefonnummern unserer neuen Bekanntschaften merken

Wir haben gerade einige neue Bekanntschaften gemacht und uns deren Namen gemerkt. Weil wir sie aber beeindrucken möchten, merken wir uns gleich ihre Telefonnummern auch noch. In der vorigen Lektion haben wir die Zahlen 1, 11, 2, 22, 3, 33 kennengelernt und damit die Grundlage für das Majorsystem gelegt. Heute lernen wir 4, 5, 6 und, du hast es sicher schon erraten, genau: 44, 55 und 66. Das hat einen guten Grund. Wenn wir beim Lernen Informationen, die ähnlich sind gruppieren, so lernen wir schneller. Dieses Prinzip ist ein weiteres wichtiges Prinzip des Speed Learnings.

Starten wir also los:

  • 4 ist R, wie im Wort vieR
  • 5 ist L, wenn man oben den Strich und den unteren Haken wegschneidet dann bleibt eine Art „L“ übrig.
  • 6 steht für alle Hauchlaute wie Sch, Ch und auch X, so wie in SeCHs und SeX
4 Reh
44 RohR
5 Leo
55 LoLLi
6 SCHuh
66 SCHaCH

Um die Zahlen besser lernen zu können habe ich auch hier wieder ein Lernset für dich vorbereitet. Wichtig: Lerne die Zahlen wie in Lektion 1, indem du über bestimmte mentale Verbindungen enge Assoziationen zwischen dem Bild und der Zahl herstellst. (Dies ist sehr wichtig und wird den Prozess erheblich beschleunigen).

vHIER geht’s zum Lernset. Wiederhole auch noch einmal die Karten von gestern kurz, damit sie sich verfestigen.

Mache Bündel, sogenannte “Chunks”

Wir wenden das Gelernte gleich wieder an. Welche witzigen Bildkombinationen fallen dir ein? Stelle dir zum Beispiel vor wie ein Rohr einen Schuh balanciert (446). So kannst du dir gleich mehrere Zahlen auf einem Ort in deinem Gedächtnispalast merken. Das ist genial und spart Zeit. Du „chunkst“ die Bilder einfach zusammen, d. h. du bildest ein kleines Bündel von zwei mnemonischen Bildern. Um dir die Reihenfolge richtig zu merken, gehe einfach immer gleich vor. Das zweite Zahlenbild sollte zum Beispiel immer über dem ersten sein. Ein Rohr (das erste Bild) balanciert einen Schuh (zweites Bild). Hier sind ein paar Zahlenkombinationen, bei denen du deiner Fantasie freien Lauf lassen kannst. Stelle dir die Bilder mit allen Sinnen, der Reihe nach in einem deiner Gedächtnispaläste vor. (Die Zahl „0“ haben wir zwar noch nicht gelernt, aber das ist kein Problem, wir wissen sowieso, dass jede Telefonnummer in Österreich mit einer „0“ beginnt, wir lassen die „0“ deshalb einfach aus und beginnen mit 664 z. B.

Telefonnummern merken leicht gemacht

Hier nun unsere neuen Bekanntschaften und ihre Telefonnummern zum Merken:

  • Lukas: (0)664 665 554
  • Rosanna: (0)663 222 336
  • Eugen: (0)664 113 446
  • Michaela: (0)662 551 664
  • Norbert: (0)663 1144 2233
  • Magdalena: (0)1 3366 4422
  • Daniel: (0)1 5511 6655

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