Meine persönliche Geschichte mit Lerntechniken

Artikel teilen
Florian

Das Thema „antike Merktechniken“ oder „Mnemotechniken“ fasziniert mich schon seit langer Zeit. Eigentlich war es ein persönliches Problem, das mich auf das Thema aufmerksam machte. Meine Jugendzeit war durch Vergesslichkeit geplagt, oft führte dies auch zu Konflikten mit meinen Eltern, da mir immer wieder unterstellt wurde ich hätte in böser Absicht Abmachungen vergessen. Nach der Matura (das österreichische Pendent zur Abitur) wuchs bei mir das Interesse zum einen diesem Problem der Vergesslichkeit zu begegnen und zum anderen meinen Wissensschatz schnell und effizient zu erweitern. In der Befassung mit der Materie stieß ich auf unterschiedliche didaktische Konzepte und Programme die auf schnödes immer-wieder-Wiederholen als Merktechnik setzten. Zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass das wie des Lernens überhaupt nicht ordentlich gezeigt wurde. Horst Sperber der 1989 seine Dissertation dem Thema „Mnemotechniken im Fremdsprachenerwerb“ widmete kam nach langen Recherchen zur gleichen Schlussfolgerung. Peter Heinrich erklärt bezugnehmend auf Horst Sperber, dass die Didaktik es konsequent verabsäumt auf das Problem des „reinen Lernens durch Wiederholung“ einzugehen. Dies habe sich bis zum heutigen Tag nicht verändert.[1] So war auch meine Erfahrung in der Schule. Manfred Spitzer merkt an:

„Die meisten Menschen verbinden Lernen mit Schule, „Büffeln“ und „Pauken“, mit Schweiß und Frust, schlechte Noten und anstrengenden Prüfungen. Machen wir uns nichts vor: Lernen hat ein negatives Image.“[2]

Spitzer 2002: 10

An meinen ersten Schultagen bekam ich einen Stoß Bücher präsentiert mit der lautlosen Aufforderung: „So, und jetzt lern das!“, niemand zeigte mir wie. Erstaunlich. Die Aussage, die ich in meiner Schulzeit oft hörte und auch heute immer wieder wahrnehme lautete: „Das musst du eben lernen!“. Oder eine andere Variante: „Da nützt alles logische Verstehen nichts, das musst du eben lernen!“ oder: „Das musst du eben lernen bis etwas hängen bleibt!“ Gemeint ist: „Du musst den Lernstoff immer wieder wiederholen bis du es dir gemerkt hast“ Ja, aber wie bleibt denn etwas „hängen“? Ist es wie beim Fischen? Man wirft das Netz aus und wartet regungslos so lange bis „eben etwas hängen bleibt“? Oder gibt es andere Wege, mit denen man sicherstellen kann, dass nach langem Sitzen nicht nur zufällig ein Fisch ins Netz geht? Wenn ja, welche Methoden wären das denn? Ist es wirklich das „immer wieder wiederholen“, oder gibt es etwas Einfacheres, Effizienteres das sogar Spaß macht anstatt einen zu Tode zu langweilen?

Was mit antiken Merktechniken alles möglich ist

Zugegeben, man kann sein Auto auch schieben, die Frage ist nur wie lange. Und wer, wenn er einen Schlüssel hat, würde weiter sein Auto schieben? So machte ich mich auf die Suche und wurde schließlich bei den Mnemotechniken fündig. Der eigene Frust über das Vergessen und die aufkeimende Hoffnung mir in kürzerer Zeit viel mehr zu merken weckten meine Neugier. Gedächtnisweltmeister die sich ein ganzes Pokerkartendeck in 12,7 Sekunden fehlerfrei merken. Ein 80 jährier Pensionist der über 800 Geburts- und Sterbedaten berühmter Personen aus der Geschichte widergibt, oder der Chinese Wei Quinru, der sich in 15 Minuten 1168 Zahlen merkt. Und das alles mit den Techniken die auch hier bei Rethinking Memory gezeigt werden. Aus diesem Grund machte ich später die Ausbildung zum Lern- Denk- und Gedächtnistrainer beim ÖBV-GT. Seitdem gilt meine Leidenschaft der Vermittlung und alltäglichen Umsetzung dieser Methoden.

Das Ziel dieses Blogs

Es braucht eine Lernrevolution. PISA Studien der ständige Abfall des Leistungsniveaus in den Hauptschulen und der Fachkräftemangel in Österreich zeigen unter anderem, dass wir eine Lern-renaissance brauchen. Die alten Griechen und Römer lehrten Mnemotechniken als festen Bestandteil ihrer Rhetorikausbildung, mit dem Resultat, dass sie stundenlange freie Reden halten konnten, ohne einen Zettel dafür zu benötigen. Dies ist nur eine der Anwendungsmöglichkeiten dieser grandiosen alten Techniken. Rethinking Memory hat sich zum Ziel gesetzt diese Techniken wieder ins Bewusstsein zu rufen und vor allem neue begeisterte Lerner in der Anwendung dieser mächtigen Techniken zu trainieren.

Noch Fragen?

Du hast ein eigenes Lernprojekt das du schnell lernen willst und weißt nicht wie du es angehen sollst? Du brauchst konkrete Hilfe dabei es umzusetzen oder hast sonst einfach eine Frage. Schreib mir einfach hier. Ich freue mich von dir zu lesen.


Literatur

[1] Heinrich, P: (2013), Learning German with Mnemonics. Vorwort. Wiesbaden: Eigenverlag.
[2] Spitzer, M: (2002), Lernen: Gehirnforschung und Schule des Lebens. S.10 Heidelberg; Berlin: Spektrum Akad. Verl.